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18.09.2020

Ökologische Umgestaltung der Altmühl – ein Beitrag zur Biodiversität

Alfons Brandl, MdL hat sich über die Fortführung der naturnahen Umgestaltung an der Altmühl im Stadtbereich von Ornbau informiert. Bei diesem Baustellentermin waren auch der Bürgermeister Herr Schnotz (Markt Bechhofen) sowie der Bürgermeister Herr Meier (Stadt Ornbau) und der Leiter des Wasserwirtschaftsamtes Thomas Keller anwesend. 

Marco Meier, Katrin Buchner (WWA), Alfons Brandl, Helmut Schnotz und Thomas Keller
Die insgesamt 23 km lange Baumaßnahme, die sich von Ornbau bis nach Neunstetten erstreckt, wurde im Jahr 2017 an der Stadtmühle Ornbau begonnen. Nun wird der nächste Abschnitt der Bauarbeiten für die ökologische Umgestaltung der Altmühl zwischen Haag und Oberndorf auf einer Strecke von 1,5 km in Angriff genommen. 
 
Bis Januar 2021 werden mit knapp 300.000 € durch den Freistaat Bayern abwechselnde Tiefenbereiche und Flachwasserzonen geschaffen, damit soll ein vielfältigeres Strömungsmuster entstehen. Die Ziele sind hierbei eine Aufwertung des Lebensraums im und am Fluss sowie die Steigerung der Wasserqualität. 
 
Mit der ökologischen Umgestaltung befasst sich das Wasserwirtschaftsamt Ansbach an der Altmühl seit mehr als 20 Jahren. Die gewonnenen Erfahrungen aus der Umgestaltung im Abschnitt zwischen Gunzenhausen und Treuchtlingen an der „mittleren Altmühl“, der 2016 fertiggestellt wurde, fließen in die begonnene Renaturierung ein. Hiermit nimmt der 
 „langsamste Fluss Bayerns“ wieder eine, am ursprünglichen Zustand ausgerichtete Flusslandschaft ein. 
 
An der „oberen Altmühl“ zwischen Ornbau und Neunstetten sind noch ökologische Defizite vorhanden. Derzeit fehlt es durch den monotonen, geradlinigen Gewässerverlauf fehlt es dem Gewässer an Dynamik und Struktur; der Mangel an Ufergehölzen führt in den Sommermonaten zu hohen Wassertemperaturen und ohne ausgeprägte Uferstreifen können abgeschwemmte Nährstoffe in das Gewässer gelangen. Algenblüte ist die Folge. 
 
Wesentliche Voraussetzung für die Realisierung der Maßnahme war der umfangreiche Grunderwerb am Gewässer im Vorfeld. In Zusammenarbeit mit dem Amt für Ländliche Entwicklung, durch das Engagement der beteiligten Kommunen Ornbau und Bechhofen sowie der Mitarbeit einzelner Grundeigentümer konnten hier zahlreiche Grundstücke für die Umgestaltung erworben werden. Im ersten Bauabschnitt von Oberndorf bis Ornbau wurde in den Jahren 2017/2018 die Altmühl besser mit der Aue verzahnt und insgesamt über 40.000 m³ Retentionsraum geschaffen.
 
Bei der jetzigen Umgestaltung liegt das Hauptaugenmerk auf der Schaffung einer vielseitigen Gewässerstruktur. Indem wechselweise Bereiche größerer Wassertiefen und Flachwasserzonen geschaffen werden, entstehen unterschiedliche Lebensraumtypen. Das Vorhandensein von strömungsreichen Passagen und andererseits Stillwasserbereichen ist beispielsweise bedeutsam als Lebensraum für Fische. Mit vor Ort anfallendem Bodenmaterial werden „Buhnen“ in den Fließquerschnitt eingebaut. Diese Hindernisse sollen das Wasser gezielt an das gegenüberliegende Ufer lenken, um Anbrüche und Steilufer auf staatlichen Flächen zu ermöglichen und die Eigendynamik der „gemächlichen“ Altmühl anzuregen. Hierdurch entstehen ständig neue Lebensräume. Die Uferbereiche werden teil-weise abgeflacht, der Oberboden abgezogen und der anstehende Boden einer natürlichen Sukzession überlassen. 
 
Eingebrachtes Totholz und sich ansiedelnde Ufergehölze haben mannigfaltige Bedeutung für den Lebensraum Gewässer. Die Strukturen dienen als Versteckmöglichkeit für aquatische Lebewesen und der Fischfauna. Die erhofften Auswirkungen, insbesondere auf die Fischfauna, werden vor und nach der Umgestaltung dokumentiert.
 
In den Sommermonaten der letzten Jahre wurden Wassertemperaturen über 28 Grad gemessen. Um Schäden für die Fische und die Gewässerbewohner allgemein zu vermeiden, ist eine Beschattung durch einen aufgelockerten Uferbewuchs, besonders im Hinblick auf den Klimawandel, wünschenswert.
 
Der Maßnahmenumgriff ist zusätzlich Teil des Maßnahmenplans zur Bewältigung der Algenproblematik im „Fränkischen Seenland“. Durch einen ausreichenden Uferstreifen kann eine Verminderung von Nährstoffeinträgen aus der Fläche in die Altmühl und damit in den Altmühlsee erreicht werden.

Foto: WWA